Diskussionsrunde

Das "gute" Bild

Liebe Freunde,
hier habt Ihr die Möglichkeit, Eure Meinung zu bekunden oder auch andere Schmerzen loszuwerden. Bis ich gelernt habe, wie das genau und automatisch funktioniert, sollte jeder seinen Beitrag noch per Email an mich schicken, damit ich den Text einstellen kann.

h.-j.fuchs@forum-fotografie-stuttgart.de

Vielen Dank für die Anregung an Dieter!
Gruß Hansi
Am 20.3.2009 schrieb Dieter Woog:

Hallo liebe Leut!!!
Ich habe eine Idee betr. Theoriediskussion im Forum.Einen Chatroom im Internet in dem wir alles diskutieren was uns so über Fotografie durch den Kopf geht.Wie macht man sowas?????Tatsache ist,dass die Digitalisierung eine Entwicklung zum literarischen Medium sehr verstärkt hat.Was uns "tumben Technokraten" natürlich Verständnisprobleme bereitet.Autorenschaft statt Handwerkerschaft: können wir das bewältigen?
Bis Heute Abend Gruß Dieter Woog
Vielen Dank an Dieter Woog, der am 25 November 2009 Folgendes schreibt:

Es gibt ein paar Begriffe, die sind so verbreitet, dass eigentlich kaum jemand bei ihrer Anwendung über sie nachdenkt. Einer davon ist die Floskel vom "guten Foto". Was ist eigentlich ein gutes Foto? Jenes das sich gut verkauft? Eines das uns einen ästhetischen Hochgenuss verschafft? Oder das mit dem größten Beifall? Jeder hat Fotos die ihm viel bedeuten, die andere überhaupt nicht interessieren. Gibt es das "gute Foto" überhaupt??????

Ein anderes Thema:

Wie verhält sich ein Mensch gegenüber der fotografischen Abbildung seiner eigenen Person? Welche Gefühle entwickeln sich bei dieser Gelegenheit? Ist es "nur" Eitelkeit wenn jemand einige Bilder mit einem Veröffentlichungsverbot belegt?
Interessant ist, dass sich kaum jemand darüber äußern kann oder will. Hier betreten wir offensichtlich ein hochkomplexes
aber sehr wirksames Feld fotografischer Arbeit. Wirksam in Bezug auf das Selbstwertgefühl, auf die Außenansicht eines Menschen und damit letzlich auch auf den sozialen Erfolg eines Menschen. Wenn man den Mix aus Wissen oder Nichtwissen, aus handwerklichem Können oder Nichtkönnen , aus Ignoranz und ökonomischem Druck, dem die Macher ausgesetzt sind betrachtet : Ein hochinteressantes Gemenge.


Noch ein Begriff!!!

Schönheit!

Dauernd werden wir mit diesem Begriff konfrontiert ohne das uns jemand sagen kann was das eigentlich ist.
Es muß eine große archaisch / genetische Schnittmenge in der Menscheit geben, die uns wissen lässt was "schön" ist, oder nicht? Wie steht es mit den handwerklichen und psychischen Fähigkeiten, diese Schönheit die, wie manche klugen Leute meinen, jeder in sich hat, herauszuarbeiten? Kann man das überhaupt?
Es gibt eine amerikanische Seifenoper "Für alle Fälle Amy", die uns sehr deutlich macht, was Beleuchtung und eine perfekte Lichtregie leisten kann.
Am 12. Dezember 2009 schreibt Hans-Jürgen Fuchs

Hallo Dieter
Vielen Dank, dass Du den Einstieg gefunden hast. Wie Du bin auch ich der Meinung, dass diese Diskussionsseite die wichtigste Seite unserer Homapage ist. Vielleicht noch nicht ganz, weil viele unserer Kollegen die Dringlichkeit nicht sehen. Jedoch wird die Zukunft zeigen, dass wir nur durch geistige Auseinandersetzung mit dem Thema Fotografie weiterhin unsere Position festigen können. Nachdem unser Beruf demokratisiert wurde, müssen wir zeigen, dass Berufsfotografie mehr ist als nur Filme belichten und Bildchen vergrößern. Technik hin oder her, wenn ich heute sehe, dass ich für die meisten Aufträge schon fertige Fotos als Muster vorgelegt bekomme und es nur darum geht, besser zu sein als derjenige, der mal eben den Finger krümmt und Fotografie im Beruf gebraucht. Zeigt es doch, dass man von uns mehr erwartet als nur technisch "gute" Bilder.
Im Augenblick bin ich noch dabei, meine Gedanken zu sortieren und in verschiedene Themen zu diversifizieren. Ansonsten wäre es für mich und den Leser unzumutbar viel, was mir alles durch den Kopf geht.
Also dann vorerst bis zum nächsten Mal.

Am 11. Februar 2010 schreibt Hans-Jürgen Fuchs

Lieber Dieter, liebe Freunde

Vorerst möchte ich ein Anliegen loswerden, das mir schon länger unter den Nägeln brennt: Die grundsätzliche Notwendigkeit einer Diskussion um unseren Beruf.

So wie es aussieht, befinden wir uns in genau der gleichen Situation, wie die professionellen Maler der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Mit der Erfindung der Fotografie glaubten nämlich alle bis dahin erfolgreichen Maler, ihren Broterwerb nicht mehr mit der vorherrschenden Portraitmalerei verdienen zu können. Sie fühlten sich durch das neue Medium der technischen und nachvollziehbaren Reproduktion von Personendarstellungen in die Enge getrieben. Verzweifelt suchten sie nach Möglichkeiten, ihrer kreativen Eigenständigkeit Ausdruck zu verleihen.

Im Paris des ausgehenden 19. Jahrhunderts trafen sich Leute wie Renoir, Monet, Degas, Morisot, sowie Pissaro und unterzeichneten am 27. Dezember 1873 die Gründungsurkunde der "Société anonyme des artistes-peintres, sculptures et graveurs". Ziele waren Diskussion und Vermarktung von Gemälden, Skulpturen und Gravuren. Die wirtschaftliche Krise, die Frankreich 1873 heimsuchte und die auch die bescheidenen Verkaufserfolge der impressionistischen Künstler abreißen ließ, forderte ein zunehmendes Engagament der Künstler, da die Galeristen sich kaum in der Lage sahen, Gemälde auf eigenes Risiko anzukaufen.

Es ist an dieser Stelle mit Sicherheit nicht notwendig, die anschließenden Höhenflüge der Impressionisten aufzuzeigen. Nicht nur wirtschaftlicher Erfolg sondern auch herausragende gegenseitige Inspiration, heute würde ich es mit dem wünderschönen Wort "Synergieeffekt" bezeichnen, brachten Ergebnisse, die immer noch als Basis jeglicher modernen Kunst gelten.

Im Augenblick sehe ich die professionelle Fotografie an einem Punkt angelangt, der einerseits genau die selben wirtschaftlichen Schwierigkeiten aufzeigt, wir uns andererseits jedoch extrem von außenstehenden Meinungen beeinflussen lassen.

Was heißt das?

Wir sollten Geschichte unbedingt dazu nutzen, von ihr zu lernen. Das muss zwangsläfig zu einer Diskussion führen. Eine Diskussion, die im Moment allerdings nicht von uns geführt wird. Wir ließen uns nämlich schon seit Jahren das Heft aus der Hand nehmen. Diskussionen über Fotografie werden zum überwiegenden Teil von Gruppen geführt, die keineswegs zum Ziel haben, professionelle Fotografen voranzubringen.

Was? Die derzeitigen Diskussionen bringen uns nicht voran?

Ein paar kleine Beispiele mögen das veranschaulichen. Seit Jahr und Tag ließen wir uns von der Fotoindustrie Meinungen und Werte vorgaukeln, die ausschließlich den Absatzmöglichkeiten von Chemie und technischen Produkten dienten. Ausreichend bekannte Firmen sind uns noch ganz gut in Auge und Ohr verhaftet. Deren Bemühen war immer, uns zu möglichst viel Konsum zu verleiten. Oder hat sich eine dieser Firmen jemals bereit erklärt, uns mitzuteilen, wie ich beispielsweise mein Bleichfixierbad stabilisieren kann ohne es gleich nach Anbruch wieder wegzuschmeißen? Die einschlägigen Anweisungen gingen doch immer nur davon aus, dass angebrauchte Chemie möglichst schnell durch neue Brühe zu ersetzen sei!

Die Kamerahersteller haben in den letzten Jahren immer so agiert, dass spätestens nach zwei Jahren die vorhandene Ausrüstung für überholt erklärt wurde. Wussten wir nicht schon im Jahr 2000, dass eine Kleinbild-Digitalkamera für damals 60.000 DM schon bei Einführung höchstens eine Krücke zur Überbrückung sein konnte? Alle und ich behaupte wirklich alle Hersteller von Kameras hätten damals schon wesentlich bessere Produkte leifern können, wenn sie nur gewollt hätten. Wir wissen doch schon seit 150 Jahren, dass fotografische Qualität nicht durch immer kleineres Handwerkszeug zu ersetzen ist. Oder haben sich die Zimmerleute etwa von irgend jemandem einreden lassen, dass ein 100-Gramm-Mädchenhammer plötzlich den 1-kg-Fäustel ersetzen könnte? Von uns erwartete man, dass wir so etwas glauben sollten. Andere Branche: Welcher Autohersteller kann es sich leisten, festzustellen, dass seine Fahrzeuge nach zwei Jahren total überholt sind?

Aber es gibt außer der technischen auch noch die bildgestaltende Seite.

Meine lieben Freunde, seit ich denken und sehen kann, besuche ich Ausstellungen. Auch fotografische. Die Präsentationen der letzten Jahre waren teilweise geprägt von Inhaltslosigkeit und Schmutz! Wo sind den eigentlich die ästhetisch brillanten Fotos eines Henneka geblieben? (Ich kenne noch mehr gute Fotografen...!) Was heute in Ausstellungen gelangt, sind akademisch aufpolierte, gebrauchte Unterhosen an Jungmännerbeinen. Nur weil die Autoren schwul und Dozenten an einschlägigen Hochschulen sind, sind die Machenschaften noch lange kein künstlerischer Hochgenuss. Die jungen Kuratoren, die abhängig sind von ihren Professoren, hoffen natürlich durch geeignete Interpretationen, möglichst rasch und schonend an den gewünschten Doktoren-Titel zu gelangen. Eine Hand wäscht eben die andere. Kunst liegt hierbei nicht im Bild, sondern in der verbalen Interpretation. Nicht, dass ich gegen die akademische Sichtweise wäre (ich war selbst Schüler von Professor Manfred Schmalriede), Bilder haben ganz eindeutig einen visuellen Schwerpunkt und das ist gut so.

Wir sollten uns überlegen, von welcher Seite wir unsere Kunst sehen. Wir sind es, die das Können und die Ästhetik verkörpern. Was uns fehlt, ist das Zusammenstehen und ganz eindeutig die Interpretation unseres Könnens.

Und Kunst kommt immer noch von Können!

Hans-Jürgen Fuchs
Am 18. Februar schreibt Hans-Jürgen Fuchs

Das "gute Foto"

Hallo Dieter, liebe Freunde

Das "gute" Foto ist doch ganz einfach zu bezeichnen. Jeder kennt den Spruch: "Nur ein toter Indianer ist ein guter Indianer". Nach diesem Motto ist das gute Foto ganz klar das bereits bezahlte Foto!

Nachdem aber das mit den Indianern auch einen gewaltigen Pferdefuß hat, komme ich nicht umhin, mich zu fragen, wohin die Frage eigentlich geht. Wenn man die Frage so pauschal stellt, ist mit Sicherheit eine Bewertung gewollt. Eine Bewertung auf der Palette zwischen ungenügend und sehr gut. Ganz wie in der Schule.

Um solche Bewertungskriterien festzulegen, ist es notwendig, zuerst den eigenen Standpunkt und damit den Blickwinkel festzulegen, der als eigentliche Basis der Bewertung gelten soll. Und natürlich bin ich selbst nicht nur Fotograf, sondern ich habe auch ganz andere Funktionen, wie folgt:

Als Unternehmer sollte ich eindeutig meine These vom toten, sprich verkauften Bild vertreten. Unser Staat fordert auch nicht gute oder schlechte Steuern ein, sondern ganz konkrete Zahlen in Euros, die ich abliefern muss. Also hilft mir das bezahlte Bild doch weiter.

Als denkender Fotograf habe ich einen gewissen Anspruch auf Qualität, Ästhetik und Esprit, jedoch darf ich nicht von meinem eingeschränkten Standpunkt ausgehen. Können und Kunst lagen nach meinem Verständnis immer sehr nah beieinander und unter den Fotografen, die mit ihren Fotos Geld verdienen, gibt es ganz verschiedene Kategorien.

Der rein handwerklich orientierte Fotograf fordert Kriterien wie Schärfe, Auflösung, Farbe, Kontrast und Linienführung. Stimmt`s? Die Diskussionen darüber sind mir sehr geläufig und oftmals sind unter Kollegen eher korrekte, sprich handwerklich "gute" Bilder gelobt worden. Dafür, und das sage ich hier mit aller Deutlichkeit, mangelt es oftmals an der nötigen Kreativität, um ein wirklich herausragendes Ergebnis zu erreichen.

Die Kategorie der kreativen Quereinsteiger möchte ich hier besonders herausheben, da sie eine ganz andere Spezies sind. In den meisten Fällen produzieren sie enorm verblüffende Bilder. Dank uneingeschränkter Vorgehensweise, die nicht vom handwerklich Machbaren geprägt ist, sind sie in der Lage, außerhalb von Konventionen zu denken und zu handeln. Wenn wir einmal die prominenten Fotografen ansehen, werden wir feststellen, dass sie zum größten Teil keine einschlägig handwerkliche Ausbildung haben. Ich selbst war als junger Fotograf bei einem der so genannten "Kreativen" angestellt. Die Ideen waren extraordinär, die Ausführung jedoch hat mich gelegentlich vor extrem schwierige Herausforderungen gestellt. Als handwerklich ausgebildeter Fotograf hätte ich mir selbst nie derart abstruse Aufgaben gestellt, da ich die Lösung ohnehin für unmöglch gehalten hätte. Die Erfolge zeigten wider Erwarten, dass es Dinge gibt, die man nicht für möglich gehalten hätte. Das zeigt, dass zu viel Wissen um die fotografische Technik für außergewöhnliche Bilder eher hinderlich sein kann.

Fotografie kann man aber auch von einer anderen Seite angehen. Wenn man nicht auf den Kopf gefallen ist, darf man auch den akademischen Weg gehen. Auch auf diesem Weg sind "gute" Fotos entstanden. Um es gleich vorweg zu sagen, ich bin der Meinung, dass diese Sichtweise sehr, sehr oft zu kopflastig einherkommt. Ich kann problemlos ein schlechtes Bild mit vielen Worten aufblasen, mit Erklärungen verschönern, mit, für viele schon fast unzugänglichen Phrasen aufblasen. Bitte, liebe Freunde, lebt ein Bild nicht auch ein klein wenig vom visuellen Aspekt? Unästhetische Belanglosigkeiten werden in den Himmel gehoben, nur weil man demonstrieren möchte, dass der Autor eine größeren Wortschatz besitzt als der Betrachter. Warum belegen so viele Studenten Kunst und gleichzeitig Germanistik? Wenn ich böse wäre, würde ich behaupten: "Wenn`s für`s eine nicht langt, dann macht man`s eben mit dem anderen Fach."
Betrachten wir uns einmal die Ausstellungen der ein oder anderen photographischen Gesellschaft. Deren Exponate sind durchgehend von dramatischen Inhalten gekennzeichnet. Der Blickwinkel des betroffenen Voyeurs steht klar an erster und wichtigster Stelle. Ganz hinten an stehen dann so belanglose Dinge wie Bildqualität oder gar Ästhetik. Schade!

Scherz beiseite, wahres Können lebt immer noch von den Ausnahmefällen und die gibt es Gott sei Dank auf allen Seiten.

Lieber Dieter, sei nicht traurig, auf die Diskussion von der anderen Seite, sprich von den Kunden und den Verbrauchern aus, möchte ich mich hier und heute nicht einlassen. Diesen Aspekt würde ich gerne jemandem überlassen, der auch tatsächlich mehr diese Warte verkörpert.

Mein heutiges Fazit: Gute Fotos werden manchmal für ansehnlich erachtet, schlechte Fotos werden manchmal hoch gelobt und auch gar arg grausame Scheußlichkeiten hängen in unseren Galerien. Es kommt eben alles auf den Standpunkt an!

Meine eigene Meinung (ist die überhaupt gefragt?) geht eher dahin: Gekonnter Umgang mit der Technik, gepaart mit viel Kreativität, ästhetischem Empfinden und einer Geschichte, die für mich jedes Bild aus sich heraus erzählen sollte, sind "gute" Voraussetzungen für ein ansehnliches Ergebnis. Solange jeder Bildschaffende nur von seinen eigenen, gruppenspezifischen Anforderungen ausgeht, wird es unendlich viele "gute Fotos" nach unterschiedlichen Kriterien geben. Schlechte Fotos produziert niemand freiwillig, sonst müsste es demzufolge heißen: "Nur ein totes Foto ist ein gutes Foto!"

Hans-Jürgen Fuchs
Am 29. März schreibt Ulrich Behrend

Das "gute Foto"

Hallo Dieter, lieber Hansi, liebe Freunde

jetzt möchte auch ich mich mal in die Diskussion einschalten.

Es ist richtig und nachvollziehbar, dass "junge Wilde" in unserer Branche Wege beschreiten, die wir als unkonventionell betrachten, die aber den Zeitgeist treffen auch wenn Bilder technisch nicht perfekt, manchmal sogar stümperhaft abgeliefert werden.
Hier kommt es entscheidend darauf an, wie schon beschrieben, wer den Text zum Bild macht und wie die jungen /manchmal sind es auch ältere, mit Worten und Floskeln in den Himmel gelobt werden.
Das gute Bild kann wie Du lieber Hansi es mit Deinem Bild der Woche geschafft hast auf den ersten Blick "nichtssagend" sein, aber bei näherer Betrachtung kommen doch "Words" hervor und schon sind wir wieder beim Thema.
Ich denke, dass jeder von uns gute Bilder macht, denn sonst könnte er nicht davon leben.
Wer nichts verkauft hat evtl. die verkehrten Kunden, noch nicht die richtige Vermarktungsstrategie, oder trifft mit dem abgebildetem den aktuellen Zeitgeist nicht, wenn es um freie Arbeiten, oder Porträtfotografie geht.
Auftragsarbeiten in der Industriefotografie sind denke ich anders zu bewerten, weil hier eine Firmenphilosophie oder ein klarer Bezug zu einer Maschine, einem Teil, oder einem Gewerbezweig transportiert werden soll, was nicht immer mit Ästhetik zu bewältigen ist, sondern Sachlichkeit und Klarheit erfordert, um beim Auftraggeber und Verbraucher gut anzukommen.
Bei einem Porträt von mir, das ich als Selbstporträt mache, oder von einem Kollegen machen lasse, ist die Persönlichkeit, die ich in mir sehe, das entscheidende Kriterium, ob ich mir gefalle oder nicht. Hier liegt es am Fotografen, der mich in meiner Persönlichkeit erfasst und dann auch so wiedergeben kann. Wenn ich ihm nichts von mir preisgebe, also mich hinter einer Maske verstecke, wird er kein "Gutes Foto" in meinen Augen machen können, auch wenn andere sagen genau so ist er, weil ich eben immer diese Maske trage und deshalb nur so von anderen gesehen werden kann.

Mal sehen, ob Ihr diese Meinung teilt, oder ob es für mich noch was dazu zu lernen gibt.

Gruß Uli
Am 29. März 2010 schreibt Hans-Jürgen Fuchs

Hallo Uli, hallo Dieter, liebe Freunde

In den letzten Tagen habe ich etwas vernommen, was Du, Uli nach meinem Verständnis auch so darstellst und das scheint mir suspekt zu sein. Vielfach wurde die Meinung geäußert, nur die Portraitfotografie erlaube Kreativität und sei somit die einzig künstlerische Sparte unseres Metiers. Das kann und will ich nicht so auf mir sitzen lassen. Mangelnde Kreativität bei technischen Auftragsarbeiten ist nicht unbedingt auf einen langweiligen Fotografen oder beschränkte Auftraggeber zurückzuführen. Ich hatte in derlei Situationen oft den Eindruck, dass ich selbst zu wenig Durchsetzungsvermögen an den Tag gelegt hatte. Freilich kann ein unbedarfter Auftraggeber keine kreativen Wünsche äußern, schon deshalb, weil er eher im Sinn hat, seine Produkte an den Mann zu bringen.

Kreativität ist halt oft auch nur eine zusätzlich Leistung, die man nicht unbedingt vordergründig verkaufen kann.

Ich selbst habe einige Kunden, die mir die absolute Freiheit lassen, wenn es darum geht, Gebäude oder Produkte darzustellen und ich weiß nur zu gut, dass ich manchmal wochenlang nach einer Idee suche, um ein technisches Produkt optimal und kreativ darzustellen. Und natürlich kommt es auch gelegentlich vor, dass ich über das Ziel hinausschieße, jedoch hängt ein kreatives Ergebnis im Endeffekt nur davon ab, wie gut ich den Kunden kenne und wie weit er bereit ist, meine Gedankenflüge mitzutragen
.
Ürigens gibt es genügend unkreative Portraitfotografen. Heute sehe ich bei vielen Fotografen immer noch die verdrehten Hälse aus den Fünfzigerjahren. Sind das "gute Fotos"???? Kreativ ist das auch nicht mehr.

Grüße Hansi
Am 30. März schreibt Dieter Woog

Die Esser Ausstellung wirft einige Fragen auf,deren Diskussion sehr aufschlussreich sein könnte.
Der Begriff "Kunst" ist weder als Qualitätsbegriff noch sonst als Umschreibung eines zu präzisierenden Sachverhalts in der Diskussion zu gebrauchen; also lassen wir ihn besser außen vor.

Zu Esser:Seine Bilder zitieren und kommentieren Fotogeschichte und andere Autoren.Sie lösen beim Betrachter unterschiedliche Emotionen aus.
Die Frage nach dem, was uns Esser als Person erzählen will, muß gestellt werden.
Sind diese Bilder ein persönliches Credo oder eine wohlkalkulierte Marketingmaßnahme für einen sehr speziellen Markt?
Der kommerzielle Hintergrund ist beachtlich und natürlich legitim. Aber für den Betrachter
ist es schon ein Unterschied ob ein Bild des Bildes wegen oder des Ertrages wegen gemacht
wurde.
Liegt hier die Antwort auf Hansis Frage nachdem neuen Typ des Berufsfotografen?

Gruß: D.WOOG
Am 1. April 2010 schreibt Dieter Woog

Hallo Hansi,

sieh da,es geht doch. Es schälen sich schon zwei Gruppen von Fotos heraus. Einmal die "toten Indianer" und das Idealbild von dem viele träumen.Tote Indianer und Korruption sind zwei Seiten einer Medaille.Das beginnt mit dem Lob der Oma und hört mit der Bezahlung durch den Kunden noch lange nicht auf.Auch der Kunstbetrieb wimmelt von "toten Indianern". Aber wie erkennt man Bilder,die um ihrer selbstwillen entstanden? Wo sind sie? Wer macht sie? Wie macht man sie?

Gruß: D.WOOG
Am 6. April 2010 schreibt Hans-Jürgen Fuchs

Hallo Dieter

Dass Du mit dem Wort "Kunst" ein Problem hast, kann ich nur zu gut verstehen. Seit Joseph Beuys jeden Fäkalienhaufen mit intellektueller Akribie als Kunst deklarierte, traut sich niemand mehr dieses Wort in die Hand, geschweige denn in den Mund zu nehmen. Wir sollten uns davon lösen. Es gibt zwei Begriffe, die immer wieder durcheinanden gebracht werden, dabei kann man sie so schön unterscheiden. Die beiden Begriffe sind Kultur und Kunst. Kultur ist ein von Menschen absichtlich geprägtes Werk. Demgegenüber erhebt für mich Kunst nach wie vor den Anspruch auf Ästhetik und zumindest gedanklichen Hintergrund. Ich wähle absichtlich nicht den Begriff "intellektueller" Hintergrund, da dies schon eine dogmatische Prägung erfahren hat.
Unter diesen Vorgaben können wir sehr gut diese beiden Begriffe verwenden.
Fazit daraus: Ich produziere hauptsächlich kulturelle Bilder, keine Banalitäten. Gelegentlich beabsichtige ich auch, meinem Anspruch auf Ideen visuellen Ausdruck zu verleihen.

Grüße Hansi
Am 6. April 2010 schreibt Ulrich Behrend

Hallo Hansi, lieber Dieter,

auf Deine Zeilen vom 29. März eingehend kann ich verstehen, dass Du die Kreativität nicht allein bei den Porträtfotografen stehen lassen kannst, denn wer Deine Homepage kennt wird das anhand der gezeigten Fotos bestätigen können.
Was ich mit Sachlichkeit bei Industriekunden meinte ist, dass ich mit meinen bisherigen Versuchen zusätzlich kreative Bilder zu liefern eher scheiterte und mich deshalb bislang zurück gehalten habe.
Das kann durchaus an meiner Umsetzung liegen, oder an einer mangelnden Marketing Strategie, was ich auch bei meinen Versuchen beim Thema "Grün" gemerkt habe.
Die Reaktion von den Kollegen, mein Ursprungsbild sei besser als die Verfremdung, oder die Manipulation, die mir Spaß machte und mich zumindest befriedigt hat, genügt eben nicht.
Insofern ist die Frage von Dieter immer noch offen:
Wie erkennt man Bilder, die um ihrer Selbstwillen entstanden? Wo sind sie? Wer macht sie? Wie macht man sie?

Gruss Uli