Unsere aktuelle
Diskussionsrunde

Wohin geht unser Beruf?

Am 25. Oktober schreibt Uli Behrend:
So etwas sollte nicht passieren....
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Hallo liebe Kolleginnen und Kollegen,

da ist doch kräftig was schief gelaufen, oder?

Gruß vom Forum Fotografie Stuttgart e.V.

auf dessen Homepage es sich immer lohnt mal nach zu sehen.
Entrüstung über Seminare der Handwerkskammern
Als hätten es Berufsfotografen nicht schon schwer genug: Auftragsrückgänge, Preisverfall, Schwarzarbeit usw. Nein – jetzt werden sie auch noch von denen, die sie eigentlich vertreten sollten, ihre Interessen wahren und schützen sollten, in die Pfanne gehauen-wirtschaftlich geschädigt.

Wir reden hier von den Handwerkskammern, zu deren Mitgliedschaft Berufsfotografen, zumindest, wenn sie sich in der gewerblichen Fotografie betätigen, per Gesetz verpflichtet sind. Diese Zwangsmitgliedschaften sind zu Recht umstritten und werden nachdem was nun passiert ist, sicherlich erneut in die Diskussion geraten.

Auch wenn man mit dem Wort Skandal vorsichtig umgehen sollte - was hier passiert ist, ist ein Skandal!

Die Handwerkskammer Mittelfranken bietet unter dem Titel „Digitalfotografie“ am 3. November 2010 (und das wohl nicht zum ersten Mal) ein Ganztagesseminar für (Zitat:) „Handwerker, welche Ihre Projekte selbst fotografieren und präsentieren wollen“ an. Vermittelt werden soll den Mitgliedern der Kammer, wie z. B. Elektrikern, Goldschmieden, Schreinern u. a., wie sie Basiswissen erhalten zur wirksamen Präsentation ihrer Produkte für Broschüren, Ausstellungen - oder für die Präsentation ihrer eigenen Internetseite - mittels ihrer „Digitalkamera“ - also, dass man den „Handwerkskollegen“ Berufsfotograf in Zukunft gar nicht mehr hierfür braucht.

Es ist unfassbar, aber wahr: die Handwerkskammer Mittelfranken stellt ihre Mitglieder, die Berufsfotografen, bloß, verhöhnt ihre Arbeit und bietet ein Seminar allen interessierten Handwerkern der Kammer an, ihre Produkt- und Werbeaufnahmen zukünftig selbst zu fotografieren.

Es ist ja ganz einfach, man kann es an einem Tag lernen! Und wer noch weiter gehen will und z.B. selbst seine Geschäftsräume professionell fotografieren und sogar schöne Panoramabilder erzeugen will, kann sich dann noch für den Kurs 2 (Fortsetzungskurs) anmelden.

Hier die entsprechenden Links zu diesen "Weiterbildungsseminaren":

Lehrgangsinformationen für Digitale Fotografie I:?
http://www.hwk-mittelfranken.de/75,0,kaodet.html?van_id=13981

Auflistung der angebotenen Kurse zur digitalen Fotografie:?
(geben Sie für die Kurzsuche im Feld Stichwort Folgendes ein: „Digitale Fotografie")?
http://www.hwk-mittelfranken.de/75,179,kursgoo.html

Auf Anfrage eines Fotografen aus der Region bei dem zuständigen Justiziar der Kammer (Herr Regnat, Tel.: 09 11/53 09-1 01), wurde abgeschwächt und verharmlost: „Das fällt wohl aus, da meldet sich sowieso keiner an.“ oder: „Dann sehen die Teilnehmer doch erst mal, wie schwierig es ist, ein gutes, professionelles Bild herzustellen.“ usw.

Wer aber nun denkt, das sei ein Einzelfall einer einzelnen Handwerkskammer, die wohl vergessen hat, dass Berufsfotografen auch noch zu ihrer Kundenklientel gehören, der irrt sich. Wir haben zwar nicht alle 53 Handwerkskammern in Deutschland dahingehend überprüft, haben aber stichprobenartig weitere, ähnliche Veranstaltungsangebote gefunden.

Hier z. B. die Handwerkskammer Koblenz. Wenn man auf dieser Übersichtsseite bei „suchen“ „Digitale Fotografie" eingibt, erhält man zwei Kursangebote für alle Mitglieder der Kammer: „Digitale Fotografie 1“ und „ Digitale Fotografie 2“. Da wird auch u. a. wie folgt für den Kurs geworben: „Sie möchten neben den Grundlagen und Stilmitteln der Bildgestaltung spezielle Techniken fürs Portrait kennen lernen" ......"wir zeigen Ihnen, wie bei der Produktfotografie die richtige Beleuchtung eingesetzt wird.“

Bei der Handwerkskammer Berlin geht es bereits etwas spezieller zu. Dort hat man sich die Möbelschreiner als Zielgruppe herausgesucht, die die Vorteile, ihre eigenen Arbeiten selbst zu fotografieren und dann zu vermarkten wohl besonders gut nutzen können.

Hier wird speziell ein Seminar für die Objektfotografie von Möbeln mit folgender Bewerbung angeboten: „Dieser Einsteigerkurs in die Welt der digitalen Fotografie ist ideal für Handwerker, die ihre Werkstücke in Flyern oder im Internet präsentieren möchten. Sie erhalten eine theoretische Einführung zur Kameratechnik und einen Einstieg in die digitale Bildbearbeitung.“ Auch eine entsprechende Location hat man ausgemacht, wo man besonders gut fotografieren könne: „Der Praxisteil findet in einem Berliner Möbelhaus statt.“ Und für 125,- EUR ist man dann dabei und braucht den „teuren“ Berufsfotografen später nicht mehr mit der Herstellung seiner Werbeaufnahmen zu beauftragen, denn man kann es ja dann selbst.

Die betroffenen Kolleginnen und Kollegen dieser Handwerkskammern (und es dürfte wohl noch einige mehr solcher Seminare bei anderen Handwerkskammern geben), dürften sich nun fragen, warum mit ihrem Geld, das sie jährlich an die Handwerkskammer zahlen, andere Handwerker als "Fotografen" ausgebildet werden, damit diese nicht mehr für ein gutes Werbefoto zu einem Berufsfotografen gehen müssen.

Meine persönliche Meinung ist: Die Handwerkskammern zeigen uns mit solchen Maßnahmen nur zu genau, dass sie an uns Berufsfotografen als Mitglieder der Kammer nicht mehr interessiert sind. Die Berufsfotografen sollten sich von solchen "Interessenvertretern" schleunigst schnell und für immer verabschieden, denn: wer solche "Freunde" hat braucht keine Feinde mehr.

Das, was hier passiert, ist geschäftsschädigend !

Ich würde zu gerne einmal wissen, was z.B. der Bundesverband der Fliesenleger machen würde, wenn eine Handwerkskammer einen Kurs ausschreiben würde: „Fliesen legen – einfach und simpel. Wir zeigen Ihnen an einem Tag, wie Sie Ihr Badezimmer schöner machen können.“ Ich glaube, eine solche Seminarausschreibung würde keine 24 Stunden im Internet überleben.

Bleibt nur noch die Frage, warum sagt eigentlich der CentralVerband der deutschen Berufsfotografen hierzu nichts ...???

Am 25 Oktober schreibt Hans-Jürgen Fuchs:

Hallo Kollegen

Das ist nicht gerade neu!

Schon vor einigen Jahren kam mir ein Prospekt in meiner Post in die Hände, das im Bildungszentrum der Handwerkskammer Stuttgart (Weilimdorf) Kurse anbot, um sich den teuren Fotografen zu sparen. Sicher war es ein Versehen, dass es ausgerechnet an mich verschickt wurde, zahle ich doch mit meinen Beiträgen den Unterhalt für diese Bildungseinrichtung des Handwerks.

Wen wundert es da noch, dass auch unsere Ministerien lieber auf Schwarzarbeiter zurückgreifen.

Das ist nicht nur ein Skandal, das ist eine ganz, ganz große Sauerei mit System.

Ich weigere mich bereits seit einigen Jahren, weitere Lehrlinge auszubilden. Vor 20 Jahren, als noch viel Handarbeit dran war, hatte ich die Diskussion, wieviel Prozent der fertig ausgebildeten Lehrlinge eine Chance auf einen ordentlichen Arbeitsplatz hätten. Ich ging immer von maximal 10 Prozent aus. Das Arbeitsamt ging von 20 Prozent aus, weil sie die verwandten Berufsgruppen mitzählten, wie den Verkauf, Vertretertätigkeiten usw.
Heute ist es so, dass die ausgebildeten Leute direkt in die Schwarzarbeit umsatteln. Tagsüber verdient man sein Geld mit lockeren Jobs eines anderen Berufs, nachts und an den Wochenenden klappt es ganz gut mit der Nebentätigkeit. Zur Not hilft ja auch noch das Arbeitsamt mit Geld für eine Ich-AG.

Nicht umsonst bekommt man in Stuttgart eine komplette Hochzeitsreportage angefangen vom Schminken, über die Trauung bis zum letzten Tanz inklusive Datenträger, allen Bildern in bester Fachqualität und einem digital gedruckten Album in 30x40 cm zum Komplettpreis von € 500,-

Wer will da noch eine Rechnung schreiben? Mit Rechnung, Studiokosten, Steuern
und Sozialabgaben geht das ohnehin nicht mehr.

Am 25. Oktober 2010 schreibt Uli Behrend folgende Zeilen, die readaktionell gekürz wurden, um rechtliche Schritte zu vermeiden. Sämtliche Adressen und Namen liegen vor:


Hallo Thomas,

wie Du siehst liegen unsere Kosten über denen von Studenten.

So ist es leider nichts geworden mit der Vermittlung eines Auftrages.

Gruß Uli

-------- Original-Nachricht -------- Betreff: Antw: Angebot für die Videoaufnahmen auf der Messe
Datum: Mon, 25 Oct 2010 14:41:02 +0200
Von: Anne T <Anne.T@xx-x.de>
An: Forum <ffstuttgart@arcor.de>



Lieber Herr Behrend,

vielen Dank für Ihr Angebot und Ihre Mühe. Leider haben wir uns für ein
anderes Angebot von Studenten der Hochschule der Medien entschieden.

Viele Grüße
Anne T
__________________________________________________________________

Anne T
Projektleiterin Wissenschaft, Forschung und Kunst

Telefon: +49(0)711
Telefax: +49(0)711
E-Mail: anne.t@xx-x.de
__________________________________________________________________

XXX
Gesellschaft für internationale wirtschaftliche und wissenschaftliche
Zusammenarbeit mbH
Öffentliches Gebäude
Adresse
Stuttgart, Germany

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Internet: www.xx-x.de und www.xx-xxxxxxx.de

Sitz: Stuttgart - Amtsgericht Stuttgart: HRB 12345
Geschäftsführer: Dr. X (Vorsitz), Dr. Y
Vorsitzender des Aufsichtsrates: Wirtschaftsminister Z MdL
_____________________________________________
Kompetenzzentrum des Landes zur Internationalisierung, Vermarktung und
Entwicklung von Wirtschaft, Wissenschaft und Forschung.

Am 25. Oktober 2010 schreibt Hans-Jürgen Fuchs, Fotografenmeister:

Lieber Uli

Ich bin gerne bereit, mitzudiskutieren.

Nur zu gerne würde ich meine Energie darauf verwenden, die Untergrabung eines Berufsstandes zu verhindern, falls es nicht schon viel zu spät ist. 100 Jahre war meine Familie Mitglied in der Handwerkskammer, jetzt habe ich mich geweigert, eine Urkunde für meine persönliche Mitgliedschaft über 25 Jahre entgegenzunehmen.
Manchmal bin ich es jedoch auch leid, gegen die Windmühlen zu kämpfen. Die Handwerkskammern haben die Fotografen einerseits nicht nur aufgegeben, sie haben uns missbraucht, andererseits verlangen sie immer noch Beiträge, wie auch der Staat immer noch Gewerbesteuer einzieht.

Die Geschichte war eine Verabredung von Staat und Handwerkskammern. Einerseits hatte man zu viele ausgebildete Fotografen als arbeitslos gemeldet, andererseits wollte man diese irgendwie unterbringen. Infolgedessen ist man den Mitgliedern der Handwerkskammern in den Rücken gefallen. Die berufsständischen Ausbildungsstellen, wie zum Beispiel in Stuttgart in der Danneckerstraße wurden zwangsgeräumt, damit man die vielleicht lukrative Ausbildung selbst kontrollieren konnte. Dann hat man die Zugangsvoraussetzungen für selbstständige Berufsfotografen aufgelöst, damit man die Arbeitslosen unterbringt. Gleichzeitig, verlangt man von diesen auch noch HWK-Beiträge. Das hat doch System - oder wie sehen das die Kollegen?