Diskussionsrunde

Wie geht`s in Zukunft weiter?

Liebe Freunde,
hier ein Beitrag von H.W. Dietrich aus der Zeitschrift "visuell aktuell" Heft 1 / 2013 der uns freundlicherweise von der Redaktion zur Verfügung gestellt wurde.

Wie geht’s in Zukunft weiter?
Primitive Höhlenzeichnungen waren die ersten Abbildungen; später kamen Skizzen
und Gemälde hinzu. Heute werden mithilfe der weit verbreiteten Fotografie Personen,
Landschaften und Gegenstände abgebildet. Dazwischen gab es Stahlstiche und künstlerische
Experimente verschiedenster Art. Die Bilder und Skulpturen erfreuten viele
Betrachter. Monotheistische Religionen jedoch verboten bildliche Darstellungen.

Heute dienen Bilder als wichtiges Kommunikationsmittel.
Doch die ursprüngliche Dokumentation
mithilfe des Mittels der Fotografie
gibt es eigentlich nicht mehr.
Das digitale Zeitalter hat neue Maßstäbe gesetzt
und ist dabei, die Bildgestaltungsbasis nochmals zu
verändern.
Beim Fotografieren haben bis jetzt die Idee, der Verstand
und die Begabung sowie die gute Umsetzung
zum besonders guten und außergewöhnlichen Bild
geführt. Daran wird sich auch nichts ändern. Was bei
Bildern jeder Art als Kunst einzustufen ist, entscheiden
der Zeitgeschmack und Kulturkreis.
Da die Geschmäcker nicht nur beim Essen und Trinken,
sondern auch in der Kunstszene international
unterschiedlich sind, gibt es mehr Widersprüche
und Meinungsverschiedenheiten als Einigkeit.
Nicht das Kameramodell oder das verwendete Material
entscheiden über die Qualität von Abbildungen.
Die vor 50 Jahren noch übliche Fototechnik ist bereits
Geschichte und ein Auslaufmodell. Neu im Anrollen
ist in unserem elektronischen Zeitalter das
Verwenden von Smartphones. Hier wird es mit Sicherheit
weitere interessante technische Verbesserungen
und einen gravierenden Wandel geben. Die
tollen Fotokameras unserer Zeit werden in absehbarer
Zeit nicht mehr benutzt werden. Bilder werden
auf veränderter, technischer Basis erstellt, wobei
die Elektronik dominiert. Doch Ideen, Verstand und
ein gutes Feeling werden nach wie vor ausschlaggebend

für eine erfolgreiche und außergewöhnliche
Bildgestaltung sein. Bildserien und Bewegtbilder
werden zunehmen und an Bedeutung gewinnen.
Die Kontrolle über die Verwendung von Fotos, sprich
das Copyright, kann schon jetzt nicht mehr garantiert
werden, und es spricht einiges dafür, dass dies
früher oder später ausläuft. Honoriert werden nur
noch Gestaltung und der Arbeitsaufwand für die Anfertigung
von Bildern.
In allen Bereichen herrscht eine Inflation von Bildern,
und aus den vielen neuen Bildgestaltungen
werden sich neue Starbildgestalter entwickeln und
auf eigenen Vertriebswegen ihre Motive einem breiten
Publikum anbieten.
Bilder und Illustrationen werden im publizistischen
Bereich sowohl bei Print-Medien als – und vor allem
– auch im Internet immer gefragter sein. Dabei ist –
außer für Leser von Fachmagazinen – die Entstehung
der Motive für den Normalverbraucher uninteressant.
Das Rennen wird jeweils das Bild machen,
das die Mehrheit anspricht und somit dem Kunstmarkt
eine neue Richtung gibt.
Der große Markt mit Motiven wird sich verändern und
bedeutet nicht das Ende der in jüngster Zeit von vielen
neu entdeckten digitalen Fotografie. Der Bedarf
an außergewöhnlichen Motiven wird weiter wachsen.
Durch die Entwicklung der derzeitigen Technik wird
mehr fotografiert, und es entstehen somit wesentlich
mehr außergewöhnliche Bildmotive, als es je zuvor
gab und es in Zukunft geben wird. H.W.D.

Am 29. März 2010 schreibt Hans-Jürgen Fuchs

Hallo Uli, hallo Dieter, liebe Freunde

In den letzten Tagen habe ich etwas vernommen, was Du, Uli nach meinem Verständnis auch so darstellst und das scheint mir suspekt zu sein. Vielfach wurde die Meinung geäußert, nur die Portraitfotografie erlaube Kreativität und sei somit die einzig künstlerische Sparte unseres Metiers. Das kann und will ich nicht so auf mir sitzen lassen. Mangelnde Kreativität bei technischen Auftragsarbeiten ist nicht unbedingt auf einen langweiligen Fotografen oder beschränkte Auftraggeber zurückzuführen. Ich hatte in derlei Situationen oft den Eindruck, dass ich selbst zu wenig Durchsetzungsvermögen an den Tag gelegt hatte. Freilich kann ein unbedarfter Auftraggeber keine kreativen Wünsche äußern, schon deshalb, weil er eher im Sinn hat, seine Produkte an den Mann zu bringen.

Kreativität ist halt oft auch nur eine zusätzlich Leistung, die man nicht unbedingt vordergründig verkaufen kann.

Ich selbst habe einige Kunden, die mir die absolute Freiheit lassen, wenn es darum geht, Gebäude oder Produkte darzustellen und ich weiß nur zu gut, dass ich manchmal wochenlang nach einer Idee suche, um ein technisches Produkt optimal und kreativ darzustellen. Und natürlich kommt es auch gelegentlich vor, dass ich über das Ziel hinausschieße, jedoch hängt ein kreatives Ergebnis im Endeffekt nur davon ab, wie gut ich den Kunden kenne und wie weit er bereit ist, meine Gedankenflüge mitzutragen
.
Ürigens gibt es genügend unkreative Portraitfotografen. Heute sehe ich bei vielen Fotografen immer noch die verdrehten Hälse aus den Fünfzigerjahren. Sind das "gute Fotos"???? Kreativ ist das auch nicht mehr.

Grüße Hansi